Zwischen Arktis und Afrika – der Knutt im Wattenmeer

Natur erleben
Knutts fliegen mehrere tausend Kilometer bis nach Westeuropa oder sogar bis nach Westafrika. Auf dieser Reise brauchen sie Rastplätze, an denen sie Energie tanken können. Und da kommt das Wattenmeer hier an der Nordseeküste ins Spiel. Zweimal täglich fällt hier bei Ebbe der Meeresboden trocken und liegt riesige Wattflächen frei. Für den Knutt und viele andere Vögel ist das reinste Paradies. Im Watt leben unzählige kleine Tiere wie Muscheln. Würmer und Schnecken sowie kleine Krebstiere. 


Dieser kleine unscheinbare Wattvogel gehört zu den einzigartigsten Langstreckenfliegern der Vogelwelt und ist eng mit dem Ökosystem des Wattenmeers verbunden. Ohne dieses Gebiet wäre seine beeindruckende Reise rund um den Globus kaum möglich. Der Calidris canutus ist nur auf dem Durchzug oder als Wintergast hier im Wattenmeer zu beobachten. In größeren Schwärmen brütet er in der arktischen Küstentundra und zieht dann ins Wattenmeer. Der Knutt hat ein Prachtkleid, welches von einer rostbraunen Unterseite geprägt ist. In Deutschland sieht man den Knut jedoch nur in einem unauffälligen grau und weiß. Er ist größer und kompakter als ein Alpenstrandläufer.  

Mit seinem kurzen und kräftigen Schnabel ertastet er seine Beute im Watt, denn an seiner Schnabelspitze sitzen Berührungssensoren. Die Nahrung schluckt er dann im Ganzen herunter und wird dann im Muskelmagen verkleinert. Eine Unterart der der Knutts kann sogar 700 Wattschnecken in 15 Minuten verdrücken. 

Vor seiner langen Reise wiegt er etwa 120 Gramm, dieses Gewicht kann er in 3-4 Wochen mehr als verdoppeln. Um Gewicht einzusparen kann der Knutt vor dem Start seine Organe verkleinern, die er, während dem Flug nicht braucht. Diesen Platz, der dadurch frei wird, kann er nun für Fettreserven nutzen. Frisst der Knutt nun weiche Nahrung wie Wattwürmer kann er seinen Muskelmagen verkleinern und so sein Körpergewicht verringern. 

Das Wattenmeer ist auf seiner Reise so wichtig, weil es riesige Nahrungsmengen bietet, viele störungsarme Rastflächen vorhanden sind und weil die Gezeiten regelmäßig neue Nahrung freilegen. Ohne solche Rastplätze könnten die Knutts ihre weiten Strecken kaum bewältigen. 

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Tina Tönjes
14. April 2026
Mein Tipp

Wenn ihr mehr über das kleine Wunder der Natur, den Knutt, erfahren möchtet, nehmt an einer Führung durch den Langwarder Groden teil. Diese werden regelmäßig vom Nationalpark-Haus Museum Fedderwardersiel angeboten. 

Fazit

Trotz der beeindruckenden Anpassungsfähigkeit des Knutts, ist er auf solche Rastgebiete angewiesen. Veränderungen im Wattenmeer können daher direkte Folgen auf seine Population haben. Schutzmaßnahmen im Wattenmeer sind deshalb nicht nur regional wichtig, sondern haben globale Bedeutung für den Vogelzug. In Deutschland ist er zwar nicht auf der Roten Liste der Brutvögel (weil er in Deutschland nicht brütet), jedoch gilt er weltweit als potenziell gefährdet, da durch den Klimawandel, sein Brutgebiet verändert wird. 

Der Knutt zeigt, wie stark verschiedene Regionen der Erde miteinander verbunden sind. Ein Vogel, der in der Arktis schlüpft, kann im Wattenmeer fressen und später an der Küste Afrikas überwintern. Der Schutz des Wattenmeeres schützt nicht nur einen Lebensraum vor unserer Haustür, sondern auch eine weltweite Naturwanderung, die seit Jahrtausenden stattfindet. 

 

Unsere Empfehlung

Nationalpark-Haus Museum Fedderwardersiel
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Natur Erleben Langwarder Groden
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